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Touristischer Nutzen: Der Schwarzschwan und ihr flauschiger Nachwuchs erfreuen Jung und Alt gleichermassen wie die weissen Höckerschwäne. Das Nebeneinander von Schwarz und Weiss und deren beider Nachwuchs vermögen als schweizerisch erstmalige Wasservogel-Attraktion auch naturverbundene Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung an den Thunersee zu locken. Wenn Postkarten aus Thun mit Schwarzen und Weissen Schwänen, dem Schloss Thun oder den Bergen im Hintergrund, verschickt werden, ist das nicht nur eine sympathische touristische Reklame, sondern auch symbolisch eine starke Botschaft. Andere Regionen haben die Schwarzschwäne auch schon als Werbeträger genutzt: Lugano zum Beispiel, hat eine Postkarte mit einer Schwarzschwanfamilie – obwohl sie keine Schwarzschwäne auf dem See mehr haben, beziehungsweise nur noch ein Tier im Zoo Al Maglio in Magliaso (TI). Im Weiteren gibt es aus Italien zwei Weine, auf deren Etikett je ein Schwan abgebildet ist: den Rotwein „Il signo nero“ (mit einem abgebildeten Schwarzschwan) und den Weisswein „Il signo bianco“ (mit einem Höckerschwan).

Keine Bedrohung: Rolf Hauri, Ornithologe und Ehrendoktor der Ornithologie der Universität Bern, aus Forst ist mit seinem Jahrzehnte langen engagierten Einsatz für die Tierwelt am Thunersee heute der wohl erfahrenste Fachmann weit und breit. Er bekräftigt: „Flora und Fauna sind wegen den Schwarzschwänen nicht bedroht.“ Wie der Bestand der Höckerschwäne werde sich auch derjenige der Schwarzschwäne auf natürliche Weise, also durch die artenübliche Revieraufteilung regulieren. „Es wäre deshalb nicht einmal nötig“, ist Rolf Hauri überzeugt, „dass Eier angestochen werden müssen.“

Das Gesetz: Für Rolf Hauri  fällt der Schwarzschwan in eine gesetzliche „Grauzone“. „Tierarten, die im Jagdgesetz nicht ausdrücklich als jagdbar aufgeführt sind, gelten grundsätzlich als geschützt. Das gilt ebenso für den Schwarzschwan, auch wenn er ein ‚Fremdling’ ist. Der Bund könnte für die im Gesetz nicht erwähnten Schwarzschwäne eine Bewilligung ausstellen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Empfehlung des Kantons.“ Nach Jagdinspektor Martin Zuber gilt der Schwarzschwan keineswegs als „grundsätzlich geschützt“. „Gemäss Artikel 6, Absatz 2 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel, steht wörtlich: Tiere, die grossen Schaden anrichten oder die einheimische Artenvielfalt bedrohen, dürfen nicht ausgesetzt werden. Der Bundesrat bezeichnet die entsprechenden Tierarten“, erklärt er. Und: „Im Artikel 8 der Bundesverordnung wird dies wie folgt präzisiert: Im Absatz 1 steht, dass Tiere, die nicht zur einheimischen Artenvielfalt gehören oder grosse Schäden verursachen, nicht ausgesetzt werden dürfen. Und im Absatz 2 des Artikels steht weiter, dass die Kantone Massnahmen treffen, damit sich Tiere nach Absatz 1, die in die freie Wildbahn gelangt sind, nicht ausbreiten und vermehren.“

Zur Geschichte: Der Schwarzschwan stammt aus Australien und Neuseeland. Um 1791 kamen die ersten Exemplare nach England, um 1795 nach Frankreich. Von 1854 ist die erste erfolgreiche Nachzucht in Europa bekannt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts lebt der robuste Schwarzschwan in den meisten zoologischen Gärten, in öffentlichen Stadtparks und bei privaten Züchtern. Er ist äusserst anpassungsfähig, winterhart und ordnet sich in gemischten Wasservogelpopulationen nach der natürlichen Hierarchie ein.
Die weissen Höckerschwäne waren in unseren Regionen einst auch „Exoten“. Sie stammen aus dem Nordosten Europas sowie Teilen Asiens und wurden systematisch in der Schweiz angesiedelt, in Thun aufgrund einer – schon damals – "Schwanen-Initiative" der Bevölkerung erstmals 1869.
Als sich nach dem Ersten Weltkrieg die hiesige Schwanenkolonie fast aufgelöst hatte, gelangte Thuns Gemeinderat auf Drängen des Verschönerungsvereins 1926 ein zweites Mal an die Regierung der Stadt Genf; sie bat erneut und erfolgreich um ein paar Schwäne.
1950 schenkte dann Thun seinerseits der Stadt Granby in Kanada vier junge Höckerschwäne: die beiden Mädchen erhielten die Namen der Töchter des dortigen Bürgermeisters, Diana und Elise; die beiden Männchen wurden auf die Namen zweier Söhne des damaligen Thuner Stadtpräsidenten Paul Kunz getauft, Urs und Heinrich.
Der heutige Bestand der weissen Schwäne auf dem Thunersee schwankt seit 40 Jahren zwischen 80 und 140 Exemplaren.

Mythisch und heilig: Der Weisse Schwan gilt als Symbol von Reinheit, Wahrheit und Hoffnung, aber auch von Erotik und Verführung. Er wurde bereits von den Römern als heiliges Wesen mit prophetischen Kräften verehrt. In der Mythologie der Aborigines, der Ureinwohner Australiens, ist mit den gleichen Attributen auch der Schwarzschwan verankert.
 

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www.thunersee-schwanensee.ch